Jetzt werden dicke Bretter gebohrt

10.05.2026

Sitzung des Hauptausschusses am 25./26.04. in Nürnberg

Mehr Frische und weniger 19. Jahrhundert. Das scheint das Anliegen der Delegierten des Hauptausschusses zu sein. Unter dem Schlagwort „Frischluftkur“ lassen sich eine Reihe von konkreten Eingaben zählen, bei denen es vor allem um die angestaubte Sprache ging. Der Ausschuss genehmigt z.B. einstimmig den Antrag, das „Fachgebiet Musik- und Spielmannswesen“ in „Turnermusiker“ umzubenennen. Die Turnerjugend verzichtet auf die geschlechtsspezifische Nomenklatur und heißt in Zukunft Turnjugend.

Es ging aber nicht nur um neue Label. Im Raum steht eine komplette Neuausrichtung und Neuorganisation des Verbandes. Ausgangspunkt sind die Ergebnisse der 8 Zukunftswerkstätten, die in den letzten Monaten landauf und landab stattgefunden hatten. „Wir setzen da an, wo eure Schmerzpunkte sind“, meint Angela Saller, Vizepräsidentin und zuständig für die Regionen. In teilweisen kontroversen Debatten diskutierten die Delegierten diese Punkte. Einer davon: das Verhältnis des Präsidiums zu den Ehrenamtlichen vor Ort. Ein anderes Thema, das Schmerzen bereitet: Wie kann der Verband die Zusammenarbeit mit den Vereinen in der Fläche lebendig gestalten. Auch schwierig: Wie lassen sich Nachfolger für die zahlreichen Ämter und Positionen im Verband finden? Solche und weitere Fragen galt es zu bearbeiten.

Die rund 80 Delegierten setzten sich in drei Arbeitskreisen genauer mit den Schmerzpunkten auseinander. Ein Arbeitskreis beschäftigte sich mit den sportlichen Belangen des Verbandes, ein weiterer mit der zukünftigen Organisation und ein dritter mit den Schnittstellen des BTV zu den Vereinen. Das Präsidium stellte den Delegierten erstmals einen Entwurf für ein völliges Re-Set der Verbandsstruktur vor. Anstelle von Bezirken und Gauen könnten Regionen treten, die mit Hilfe von Modulen strukturiert werden: einer gewählten Leitung, Regio-Teams mit jeweils einem gewählten Sprecher und den Geschäftsstellen. Die Idee, dass in Zukunft Doppelspitzen als Regio-Leitung möglich sein sollen, fand großen Zuspruch. Der Vorschlag, viele Wahlämter abzuschaffen und durch berufene Team-Mitglieder zu ersetzen, würde nach Meinung vieler Delegierter die gelebte Realität abbilden.

„Wir begegnen uns auf Augenhöhe“, stellt Präsidentin Christine Königes fest. Das bedeutete auch, dass vieles lebhaft diskutiert wurde. Gefragt waren neue Ideen, wie man den BTV attraktiver für die Vereine machen kann – auch wenn es sich um Turnabteilungen handelt, bei denen Wettkämpfe eine untergeordnete Rolle spielen. Was kann der BTV den Mitgliedsvereinen als Service bieten? Zu welchen Problemlösungen ist er in der Lage? All diese Themen fließen mit ein in den weiteren Entwicklungsprozess, der 2027 in eine neue Satzung des Bayerischen Turnverbandes münden soll.

Auf ein kommendes Großereignis freuen sich alle Vertreterinnen und Vertreter des BTV: Vom 27. bis 30. Mai 2027 wird genau an Ort und Stelle, in Nürnberg, das Bayerische Turnfest mit über 100.000 Besuchern stattfinden. Nach harten Stunden der Arbeit, anstrengender Gedanken und des intensiven Austausches entspannten sich die Delegierten aus ganz Bayern in der gemütlichen Lobby des Tagungshotels. Nun stand die persönliche Begegnung in der „Turnerfamilie“ im Vordergrund. Und das Feiern in Nürnberg zum Landesturnfest wurde schon einmal geprobt.

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